FAQ

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Was braucht es in Niedersachsen, um eine Grundschule zu gründen?

  1. mindestens 12 Schüler
  2. mindestens zwei fertig ausgebildete LehrerInnen
  3. einen Trägerverein
  4. ein Schulgebäude
  5. eine für die ersten drei Jahre gesicherte Finanzierung

– Individualisiertes, selbstgesteuertes und interessegeleitetes Lernen –

Wenn die Kinder in der Schule „machen können, was sie wollen“, machen sie denn nicht immer das selbe oder das, was sie schon längst können?

Nein. Das ist ein erstaunliches Phänomen, das uns bislang in allen Klassen begegnet ist, die einen radikal Offenen Unterricht praktizieren, bei dem man nicht auf Arbeitsaufträge oder Arbeitsmittel zurückgreifen kann, sondern der stattdessen auf den Eigenproduktionen der Kinder beruht. Anscheinend besteht für die Kinder, da das Arbeiten in der Schule von ihnen selbst gesteuert und interessengeleitet verläuft, keine Notwendigkeit, sich vor dem Weiterlernen zu drücken.

Woher bekommen die Kinder denn ohne Unterricht und Lehrgang ihre Arbeitsideen?

Die einfachste Antwort auf diese Frage ist sicherlich: durch sich selbst und das vielfältige Lerngeschehen in der Klasse.

Gibt es nicht bestimmte Inhalte, mit denen die Kinder sich nur durch den Impuls des Lehrers auseinandersetzen?

Sicherlich kommt dem Lehrer im Offenen Unterricht eine Schlüsselrolle zu, denn es geht in keiner Weise um einen Laissez-faire-Unterricht, in dem er sich etwa ganz heraushält. Entsprechend ist der Lehrer Beteiligter des Unterrichts – sogar mit einer besonderen Rolle – und wird Impulse geben. Natürlich gibt es auch einzelne Inhalte, die laut Lehrplan unterrichtet werden müssen, die aber nur schwer vom Kind selbst zu entdecken sind – vor allem dann, wenn es um eine bestimmte Form oder ein bestimmtes Verfahren geht (z. B. bestimmte schriftliche Rechenverfahren).

Gibt es denn dann gar keinen herkömmlichen Unterricht mit Einführungen, Übungen usw. mehr?

Nein, es gibt nicht mehr klassischen Einführungen für alle in bestimmte Themen oder Verfahren.

Was ist denn mit Kindern, die dann in einem Fach überhaupt nichts machen?

Das Vermeiden eines bestimmten Fachs kann nicht beobachtet werden.

Ist Offener Unterricht nicht nur etwas für starke Schüler – gehen schwache Schüler dort nicht unter?

Nein, sowohl „starke“ als auch „schwache“ Schüler/innen (wenn es solche Kategorien denn überhaupt gibt!) kommen im Offenen Unterricht voll auf ihre Kosten, denn alle Schüler/innen können in ihrem eigenen Tempo auf eigenen Lernwegen und nach eigenen Interessen auf ihrem Könnensniveau arbeiten.

Muss es neben dem individualisierten Lernen nicht auch gemeinsame Phasen/ Gemeinschaftserlebnisse geben?

Ja, gemeinsame Phasen bzw. Gemeinschaftserlebnisse sind für die Sozialerziehung der Schüler/innen immens wichtig und ergeben sich deshalb fortwährend situativ aus den Erfordernissen des Zusammenleben und -lernens.


Lehrersein im Offenen Unterricht

Wie behält der Lehrer den Überblick, wenn alle etwas Verschiedenes machen?

Die Lehrkraft verliert nicht den Überblick, vgl. dazu die folgende Frage.

Wie kann man die Kinder beurteilen, wenn alle etwas anderes machen?

In einem Unterricht, in dem die Schüler/innen zahlreiche Eigenproduktionen erstellen und nicht einfach Arbeitsblätter ausfüllen, gewinnt die Lehrkraft einen sehr genauen Überblick über die tatsächliche Leistungsentwicklung und das aktuelle Könnensniveau der einzelnen Schüler/innen.

Ist denn der Offene Unterricht für den „normalen“ Lehrer überhaupt leistbar?

Ja, der Offene Unterricht ist für die Lehrkraft gut leistbar – sofern sie sich voll und ganz mit dem Welt- und Menschenbild dahinter identifizieren kann. Der anfänglichen Verantwortung der Lehrkraft für die Selbstregulierung und -regierung der Lerngemeinschaft weicht im Laufe der Zeit einer immer größeren Möglichkeit, sich authentisch in die Lerngemeinschaft einzubringen und hierfür hart, aber auch erfüllt zu arbeiten.

Wie soll der Lehrer seinen Offenen Unterricht gegenüber Eltern und Kollegen rechtfertigen?

Der Offene Unterricht erfüllt die laut Bildungsstandards und Kerncurricula für die Grundschule geforderten fachlichen Kompetenzen. Darüber hinaus ermöglicht er die Ausbildung von Sozial- und Selbstkompetenzen wie Selbstständigkeit und Verantwortungsbewusstsein bei den Schüler/innen. Im Hinblick auf die Eltern ist Transparenz und Geduld wichtig, um ihnen Sicherheit, den Lernerfolg und die Zufriedenheit ihrer Kinder zu geben.


Übergang

Wie kommen denn die Kinder auf der weiterführende Schule klar?

Grundsätzlich kommen alle Kinder gut klar, auch die als schwach etikettierten Schüler/innen können gute Schulleistungen vorzeigen.

Ist der Übergang auf die weiterführende Schule nicht ein Schock für die Kinder?

Grundsätzlich kommen alle Kinder gut klar, auch die als schwach etikettierten Schüler/innen können gute Schulleistungen vorzeigen.

Können sich die Kinder in der weiterführenden Schule anpassen?

Die Kinder kommen in geschlossenen Lernstrukturen weiterführender Schulen sehr gut zurecht – sowohl sozial wie auch inhaltlich.

Fehlen den Kindern nicht in der weiterführenden Schule wichtige Inhalte?

Nein, häufig ist man erstaunt über das breite und solide Grundwissen wie auch das spezialisierte Wissen in einigen Bereichen.


Diese FAQs zum Offenen Unterricht sind eine gekürzte Zusammenfassung aus der Langfassung von Falko Peschel. Hier die vollständige Fassung als PDF zum Download, die Falko Peschel uns dankenswerterweise zur Veröffentlichung freigegeben hat.